Wie Daten die Immobilienwirtschaft verändern

Datenbasierte Erkenntnisse können die Entscheidungsfindung in einer Vielzahl von Geschäftsbereichen erheblich verbessern. Das Feld der Immobilienwirtschaft ist hierbei keine Ausnahme. Im heutigen Beitrag sehen wir uns Entwicklungen rund um den Immobilienmarkt genauer an.

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Sie suchen eine neue Wohnung? Ein zentrales Kriterium, ob Ihre neue Traumwohnung tatsächlich Top oder doch eher Flop ist, stellt die Umgebung dar, in der sie sich befindet:

Komme ich vom neuen Standort rasch ins Büro? Welche Öffis finden sich in der Nähe? Wie sieht es mit der Infrastruktur ums Eck aus? Ist ein Supermarkt rasch erreichbar? Und wer sind eigentlich meine neuen Nachbar_innen?

Daten als Entscheidungsgrundlage

Im Immobiliengeschäft ging es immer schon recht zentral um den Standort. Mit ihm steht und fällt der Wert einer Immobilie. Diesen Wert möglichst präzise bestimmen zu können, war und ist Aufgabe und Herausforderung in der Immobilienwirtschaft.

Daten, vor allem Echtzeitdaten, bieten ein beispielloses Potenzial zur Verbesserung von Immobilienentwicklungsentscheidungen, insbesondere durch bessere Prognosen für die Gebäudenutzung, eine genauer Einschätzung der Kaufkraft der Nutzer*innen von Immobilien sowie eine bessere Risikobewertung von Immobiliennutzer*innen.

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Dadurch entstehen völlig neue Möglichkeiten: Aus der Sicht der Immobilienentwicklung ist die Identifizierung von Beziehungen zwischen Bewegung, kommerziellen Transaktionen, sozialen Aktivitäten und Immobilienwerten ein potenzieller Spielveränderer, der einerseits den Wert und die Qualität der städtischen Umwelt erhöhen wird – und andererseits wirtschaftlich im Feld für massive Veränderungen sorgen wird.

Jene, die mit ihren Geschäftsmodellen auf Daten setzen, haben die Nase vorne. Unternehmen, die diesen Zug verpassen, werden in bereits sehr absehbarer Zeit das Nachsehen haben.

Weitere Anwendungsfälle für Daten im Immobilienbereich

Wesentliche Anwendungsmöglichkeiten finden sich abseits der begehrten Hintergrundinformationen und Standortanalysen in den Bereichen Online-Auftritt und -Angebote und Handy-Apps. Aktuell wird vor allem durch die präziseren Informationen profitiert. Es wird aber nicht mehr lange dauern, bis beispielsweise auch Erstbegehungen via Virtual Reality-App möglich sein werden.

Beispiele datengetriebener Immobilien-Unternehmen in Österreich

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Abschließend möchten wir noch zwei österreichische Beispiele für datengetriebene Immobilienunternehmen vorstellen: Checkmyplace.com und Zoomsquare.com.

Auf das bereits erwähnte Feld der begehrten und für die Immobilienwirtschaft so zentralen Umgebungsanalyse hat sich in Österreich ein Anbieter spezialisiert:

Checkmyplace.com

Das Wiener Start-up Checkmyplace.com bietet datenbasierte Antworten auf eingangs erwähnte Fragen rund um den Wert einer Immobilie (datengetriebene Immobilien- und Standortbewertung). Die junge Truppe um Geschäftsführer Jörg Buß, mit dem wir für diesen Beitrag gesprochen haben, sind Profis, wenn es darum geht, aus Daten wichtige Informationen darzustellen. Entwickelt wurde Checkmyplace.com seit 2012, anfangs mit Unterstützung in Form einer Wirtschaftsagentur-Förderung. Offizieller Launch und Gründung fanden schließlich Ende 2014 statt.

Checkmyplace.com

Checkmyplace.com Zielgruppen und Kund*innen

Bis heute verlassen sich bereits 10 Immobilienportale auf ihre Umgebungsanalyen, etwa der Standard, der Bazar und die Salzburger Nachrichten (B2C). Zu ihren zentralen Kund_innen zählen jedoch auch sehr wesentlich B2B Makler, Immobilien Sachverständige und Bauträger. Auch als Einzelperson kann man Ihre Dienste in Anspruch nehmen. Auf checkmyplace.com lässt sich direkt eine Umgebungsanalyse für einen bestimmten Standort erstellen. Das Ergebnis wird als PDF verschickt.

Das Geschäft geht gut; aktuell werden die Dienste in erster Linie national angeboten, doch das Interesse an Internationalisierung ist durchaus groß.

Checkmyplace.com Datenbasis

Für ihre Immobilien- und Standortbewertungen greift das junge Unternehmen unter anderem auf Daten wie Verkehrsanbindung und Infrastruktur, Preisentwicklungen am Immobilienmarkt sowie Umwelteinflüsse und Demographie der Umgebung zu. Verwendet werden sowohl Open Data (bspw. data.gv.at und opendataportal.at) als auch kommerzielle Daten. Selbstgenerierte Daten werden verkauft. Als fehlende Daten wurden vor allem Grundbuchdaten und Kaufverträge angemerkt, da es hierfür keine strukturierten Datensätze gibt.

Ein weiterer früher heimischer Player am Feld ist:

Zoomsquare.com

Vor rund 5 Jahren setzen die Gründer Andreas Langegger und Christoph Richter ihre erste Idee um, Endkund*innen eine zentrale Immobiliensuchmaschine anzubieten, die ein wenig wie eine Singlebörse funktionierte. Das erste Konzept und der Schwerpunkt auf Mietobjekte ging nicht ganz so auf, wie erwartet, verriet uns Andreas Langegger beim Gespräch und fasste zusammen: “Kund*innen wollen browsen, nicht matchen”.

Screenshot Zoomsquare.com

Zoomsquare.com

Zoomsquare.com Zielgruppen und Kund*innen

Als erfahrene Jungunternehmer nahmen sie die gemachten Erfahrungen um sich in Richtung des Bedarfs zu orientieren: Bauträger*innen und Makler*innen als zentrale Zielgruppen. In diesem Segment herrscht großer Konkurrenzdruck. Bauträger erhalten daher bessere Konditionen, wenn Immobilien bereits vor Baubeginn verkauft werden. Aber auch aus Endkund*innen-Sicht gab es keine Plattform, die sich exklusiv um Kaufoptionen annimmt. Diese Lücke schließt Zoomsquare.com mit seinem neuen Schwerpunkt. Um dem neuen Konzept gerecht werden zu können, wurde Zoomsquare 2017 zudem an zwei neue Geschäftsführer*innen übergeben, deren Hintergrund besser zum neuen Bedarf passt: Anita Körbler und Jürgen Leger.

Zoomsquare.com Datenbasis

Während Zoomsquare für seine ersten Jahre sehr wesentlich auf Open Data setze, basiert es inzwischen fast nur noch auf geschlossenen / kommerziellen Daten (beispielsweise Bauträgerdaten). Daten kommen inzwischen direkt über eine Schnittstelle, es werden aber weiterhin Daten zum Mietmarkt im Hintergrund generiert und Auswertungen angeboten.

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