Auf eigenen Spuren: Unsere Daten als Personal Coach

Own Your Data & hiMoment

Willkommen in der Sommerpause! Passend zur aktuellen Hitzeperiode nehmen wir uns heute einen besonders spannenden und heiklen Bereich vor.

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Einerseits, weil der Sommerurlaub üblicherweise etwas Zeit zum Seele baumeln und Zeit nehmen lässt, andererseits, weil Daten, sobald es sich um personenbezogene Daten handelt, ein heiß umkämpftes Eisen sind. Und während sich nicht nur die allseits bekannten Internet-Giganten zu Sammelkraken gemonstert haben, bleiben die, die es wirklich betrifft und um deren Daten es tatsächlich geht, zumeist auf der Strecke. Dabei können die Unmengen an Daten, die jede und jeder Einzelne von uns tagtäglich erzeugt auch für uns persönlich Wertvolles leisten – und so manchen “personal coach” ersetzen. Um einen kleinen Einblick geben zu können, sehen wir uns heute zwei Organisationen an, die sich mit “Digital health & well being” im gleichen Business-Feld bewegen: Own Your Data und hiMoment.

Own Your Data: Daten-Tresor mit gewissem Extra

Das Projekt Own Your Data ist gewissermaßen Christoph Fabianeks “viertes Kind” und entstand im Rahmen seiner Karenz-Auszeit. Daten waren für Christoph als Mathematiker schon immer ein zentrales Thema.

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Besonders angetan hat es ihm jedoch die Problematik der personenbezogenen Daten, die wir alle tagtäglich hinterlassen – ohne aber selber tatsächlich Zugriff darauf zu haben. 2015 programmierte er flugs einen Prototypen, der bereits in der Lage war, erste Datenspuren zu sammeln und im “Own Your Data-Datentresor” zu speichern. Seine Idee reichte er noch im gleichen Jahr erfolgreich bei der NetIdee und in weiterer Folge bei der AWS Kreativwirtschaftsförderung ein und gründete zu dem Zweck den “Verein zur Förderung der selbstständigen Nutzung von Daten”.

Bewusstseinsbildung Datenspuren

Seitdem hat sich viel getan. Es kristallisierte sich rasch heraus, dass ein reiner “Datentresor” (wie auch Daten an sich) für die Mehrheit potentieller Nutzer_innen ein viel zu abstraktes Thema ist. So erregen Daten durch externe Events (Beispiel Facebook Skandal) zwar kurz Aufmerksamkeit, erfahren sonst aber wenig Beachtung. Entsprechend schwierig ist es, Own Your Data zu positionieren und Interessen zu wecken. So wichtig die Bewusstseinsbildung für den Wert persönlicher Daten ist, so kompliziert ist es auch, damit erfolgreich zu sein. Ein Weg ist, zu verschiedenen Themen eigene Own Your Data-Auswertungen anzubieten. Aktuell gibt es bereits mehrere solcher Auswertungsmöglichkeiten. Am populärsten ist das Allergietagebuch, das persönliche Daten mit Open Data (wie Pollenbelastung und Wetter) für eine Auswertung kombiniert, um weitreichendere Schlüsse zuzulassen.

Konkurrenzmodell Komfort

Katze, schlafend

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Mit diesen Anwendungen hat Own Your Data allerdings schlagartig viel Konkurrenz. Während bei anderen Apps die Datensituation zwar häufig unklar ist, erfüllen diese ihre jeweilige Funktion jedoch zumeist gut. Abseits des generell fehlenden Bewusstseins für Datensicherheit, führt das bei Nutzer_innen dazu, dass sie für den Komfort über vieles hinwegsehen, was rund um ihre persönlichen Daten schief laufen könnte.

Dementsprechend findet sich die aktuelle Zielgruppe von Own Your Data vor allem unter technik- und/oder daten-affinen Menschen wie Early-Adopters, Datenschutzaktivist_innen und Data Scientists. Auch wenn es durchaus ein großes Interesse gibt, Own Your Data auch für andere Nutzer_innen interessant zu machen, lässt sich das mit dem gemeinnützigen Verein, der nicht auf monetäre Gewinne ausgerichtet ist, derzeit noch gut vereinbaren.

Datensicherheit kombiniert mit Open Data

Während es zentral um den individuellen wie sicheren Zugriff auf eigene hinterlassene Datenspuren geht, entstehen potentielle Services vor allem durch die Kombination mit anderen Daten. So nutzt beispielsweise Own Your Data für das angebotene Allergietagebuch die offenenen Daten von Pollenwarndienst.at. Während auf der einen Seite Nutzer_innen-Daten durch eine volle Ende-zu-Ende Verschlüsselung so sicher verwahrt werden, dass nicht mal Own Your Data selbst darauf Zugriff hat, kommt auf der anderen Seite einiges an Open Data zum Einsatz, um Services anbieten zu können, die Own Your Data auch für weniger technikaffine Zielgruppen interessant machen zu können. Um diesen Spagat ausgleichen zu können, arbeitet Christoph aktuell an einer neuen Funktion, nämlich persönliche Daten anonymisiert beispielsweise für Forschungszwecke spenden zu können. Derartig aufbereitete Daten sollen künftig zum Ausgleich wieder als Open Data zur Verfügung gestellt werden können.

hiMoment: Die Tagebuch-App, die glücklich macht

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Einen völlig anderen und sehr persönlichen Zugang verfolgt das Startup hiMoment. Mit diversen Ergebnissen der Glücksforschung im Rücken, hat es sich zum ambitionierten Ziel gesetzt, seine Nutzer_innen glücklich(er) zu machen. Wie neurowissenschaftlich und psychologisch längst bekannt ist, ist unser Gehirn auf Gefahrenerkennung programmiert. Daher hinterlassen negative Erfahrungen einen intensiveren Effekt, als positive. Dass wir diesem Umstand nicht hilflos ausgeliefert sind, zeigen jedoch diverse Methoden. Einige der derzeit bekanntesten finden sich unter dem Schlagwort “Mindfulness” – zu deutsch “Achtsamkeit”, die unter anderem zur Prävention gegen Depression und Burn Out zum Einsatz kommen. In die gleiche Kerbe schlägt auch die App hiMoment mit ihrem Konzept.

“Glück ist eine Entscheidung, die du treffen kannst”

Mit dieser Unterzeile begrüßt die App jeden Neuankömmling. Dahinter steht die belegte Annahme, dass sich Glück wie ein Muskel trainieren lässt. Alles, was dazu nötig ist, ist die regelmäßige und bewusste Beschäftigung mit wohltuenden, glücklichen Momenten in unserem Leben. Die entsprechenden “Glücksübungen” hilft hiMoment zu absolvieren, indem die App anleitet, sich seine tägliche Portion kleines und großes Glück zu speichern – und wiederkehrend damit zu beschäftigen. Durch diese Beschäftigung gewöhnt sich unser Gehirn daran, unseren vielen kleinen und größeren Glücksmomenten eine höhere Bedeutung beizumessen – und das macht uns langfristig tatsächlich zu glücklicheren Menschen.

Menschen und Erfolge

Hinter der Idee steht ein Gründungsteam von drei Menschen: Christoph Schnedlitz (CEO mit einem Background in Finance, Controlling, Data Science und Positive Psychology), Jan Hrubý (CXO – Chief Experience Officer mit einem Background in Design und Frontend development) und Hermann Ziak (CTO mit einem Background in Artificial Intelligence). Gemeinsam launchten sie im März 2017 die hiMoment Beta Version. Seit Jänner 2018 ist die Vollversion für Android und iPhone erhältlich.

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Finanziert wurde die Entwicklung der App von den Gründern selbst, erst Ende 2017 gelang es ihnen, Investoren zu gewinnen. Damit ist das ambitionierte Ziel für 2018 vor allem, die Nutzer_innenzahlen deutlich zu erhöhen. Zählte hiMoment Ende 2017 noch 5.000 Nutzer_innen, ist die Anzahl der beglückten Menschen bis Juli 2018 bereits auf 20.000 gestiegen. Als Zielgruppe fokussiert das StartUp – vereinfacht gesagt – auf 25 bis 50-jährige Menschen aus Westeuropa, die glücklicher werden und / oder an sich arbeiten wollen.

Hürden auf dem Weg zum großen Glück

Eine große Hürde ist die Vielzahl an Endgeräten, die das Bauen von Apps generell zur Herausforderung machten. Da ist hiMoment keine Ausnahme.

Aber auch der Datenschutz bereitet einiges an Kopfzerbrechen. So bot hiMoment Beta anfangs nur eine Registrierung per Facebook Connect an, um  Entwicklungszeit zu sparen. Das allerdings führte von Seiten der Nutzer_innen zu viel Kritik (und 1 Stern Bewertungen), obwohl über diesen Weg keine Daten an Facebook kommen, wie Christoph Schnedlitz versichert. Nutzer_innen äußerten zudem Bedenken, gemeinsame Momente mit Freund_innen in der App zu speichern, aus Sorge um deren Privacy.

Auch die Finanzierung und das Geschäftsmodell muss sich erst bewähren. Aktuell ist die App noch kostenlos. Nachdem sich das Konzept jedoch nicht mit Werbung verträgt, wird künftig auf ein Freemium-Modell gesetzt. Immerhin boomen Apps im “Digital health & well being” Bereich. Die Chancen am Markt stehen also grundsätzlich nicht schlecht, für entsprechende Angebote.

hiMoment und der Wert der Daten

Daten spielen eine sehr wichtige Rolle für hiMoment, aber eine vernachlässigbare Rolle für das Business Modell, da ausschließlich personenbezogene – um nicht zu sagen hochpersönliche – Daten in der App entstehen. Auch externe Daten bzw. Open Data kommen nicht zum Einsatz. Zentral ist dementsprechend der Schutz von Nutzer_innendaten.

Geplant sind wie erwähnt weder Werbefinanzierung noch die Weitergabe von Daten an Dritte. Die einzig aktuelle Ausnahme ist die Weitergabe von anonymisierten Daten für wissenschaftliche Forschung, genauer: der Erforschung des Glücks und zum Training von KI-Modellen. Eine weitere Ausnahme soll die Zukunft bringen, so Christoph Schnedlitz:

In einigen Jahren denken wir an, aggregierte Informationen über Glück als Open Data zur Verfügung zu stellen, ähnlich einem “real time Happiness Index” pro Land, quasi wie ein Börsenindex.

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